Was Familienunternehmen vom Kapitalmarkt lernen können – für ihre Zukunft

Was Familienunternehmen vom Kapitalmarkt lernen können – für ihre Zukunft

Thomas Körfgen
von Thomas Körfgen

Was Familienunternehmen vom Kapitalmarkt lernen können? ALLES!

– und warum es für ihre Zukunft entscheidend ist

Was können Familienunternehmen vom Kapitalmarkt lernen? Sehr viel. Für die Zukunftsfähigkeit jedes Unternehmens, jeder Stiftung und jeder Zusatzversorgungskasse ist es relevant, die Mechanismen des Kapitalmarkts zu verstehen – ohne dabei die eigenen Wurzeln und Werte zu verlieren.

Warum Kapitalmarktwissen für Familienunternehmen wichtig ist

Die Welt wird komplexer und volatiler. Kapitalmärkte haben über Jahrzehnte Resilienz, Disziplin und Anpassungsfähigkeit entwickelt – Eigenschaften, die auch für Familienunternehmen entscheidend sind. Es geht nicht darum, alles zu übernehmen, sondern gezielt Mechanismen zu adaptieren, die Stabilität und Zukunftsfähigkeit sichern.“

Shareholder und Stakeholder

Familienunternehmen denken oft über das eigene Familieninteresse hinaus. Das Unternehmen wird als etwas Größeres betrachtet als nur eine Kapitalanlage. Gleichzeitig lohnt es sich, kapitalmarktbasierte Perspektiven einzubeziehen – etwa um Bankabhängigkeit zu reduzieren oder Finanzierung direkt über Kapitalmarktinstrumente zu ermöglichen.

Stärken von Familienunternehmen

Familienunternehmen zeichnen sich durch mehrere Eigenschaften aus:

  • Langfristiges Denken: Entscheidungen werden über Generationen hinweg getroffen. Beispiele wie Miele zeigen, wie nachhaltiges Handeln Vertrauen und Innovation fördert.
  • Werte und Unternehmenskultur: Loyalität, Integrität und Verantwortung prägen Stabilität und Mitarbeiterbindung. Faber-Castell ist ein Beispiel für über 250 Jahre gelebte Familienführung.
  • Mitarbeiterbindung: Hohe Loyalität schafft Vertrauen und Stabilität, besonders in Krisenzeiten.

Herausforderungen bestehen dennoch, etwa durch hohe Anteilskonzentration oder komplexe Erbfolgen. Eine gezielte Streuung von Anteilen kann Liquidität und Flexibilität sichern, ohne die Unternehmens-DNA zu verwässern.

Was Familienunternehmen vom Kapitalmarkt lernen können

Kapitalmärkte haben Mechanismen entwickelt, die Familienunternehmen nutzen können:

  • Transparenz & Reporting: Regelmäßige Berichterstattung schafft Vertrauen bei Stakeholdern. Beispiel: Otto Group veröffentlicht nicht nur Finanzzahlen, sondern auch soziale und ökologische Ziele.
  • Governance & Aufsicht: Klare Strukturen und Verantwortlichkeiten erhöhen Stabilität. Beispiel: ALDI nutzt Beiräte und unabhängige Aufsichtsräte für strategische Entscheidungen.
  • Benchmarking & Effizienzdruck: Vergleich mit Wettbewerbern schafft Anreize für Verbesserungen.
  • Kapitaldisziplin & Bewertung: Auch ohne Börsennotierung können Familienunternehmen Investitionen nach kapitalmarktorientierten Kriterien steuern (Beispiel Viessmann).
  • Risikomanagement & Resilienz: Szenarioanalysen und Anpassungsfähigkeit erhöhen die Widerstandsfähigkeit (Beispiel Schaeffler).

Praxisbeispiele

Einige Familienunternehmen setzen diese Prinzipien in ihrer Gesamtheit erfolgreich um:

  • Henkel: Familienführung und Börsenlogik kombiniert
  • Beiersdorf: Interessen der Familie und professionelles Management in Einklang gebracht
  • Bosch: Stiftung steuert das Unternehmen im Sinne der Familienwerte
  • Trumpf: Professionelle Führung und hohe Innovationskraft

Diese Beispiele zeigen, wie Familienunternehmen Kapitalmarktprinzipien erfolgreich adaptieren, ohne ihre Identität zu verlieren

Fallstricke und Grenzen

Nicht alles, was am Kapitalmarkt funktioniert, lässt sich eins zu eins übertragen. Risiken bestehen insbesondere in:

  • Überbürokratisierung: Zu viel Formalismus kann Flexibilität und Innovationskraft ersticken.
  • Balance zwischen Disziplin und Flexibilität: Die Familien-DNA bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor.

Fazit: Familienunternehmen müssen nicht an die Börse gehen

Die Prinzipien des Kapitalmarkts – Transparenz, Governance, langfristige Strategie, Kapitaldisziplin und Risikomanagement – können jedoch helfen, die Unternehmensführung nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten.

Die Kombination aus langfristiger Familien-DNA und kapitalmarktorientierten Mechanismen sichert nicht nur den heutigen Erfolg, sondern auch die Zukunft des Unternehmens. Es geht darum, die Stärken des Kapitalmarkts gezielt zu nutzen, um die eigene Vision zu realisieren und die Werte zu bewahren.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das Buch „Familienunternehmen auf dem Weg zur Börse“ (2. Auflage 1987) von Walther Schürmann und Dr. Kurt Körfgen – meinems verstorbenen Vaters zeigt auch bei mir im Kleinen, das Zusammenspiel von Familienwerten und Kapitalmarktdenken als zentrales Thema seit vielen Jahrzehnten.

Thomas Körfgen
Thomas Körfgen

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